Rheuma Management Ausgabe Maiu002FJuni 2017

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Rheuma MANAGEMENTBDRh-Kongress12.-13. Mai 2017 in BerlinBERUFSVERBANDBDRhDEUTSCHER RHEUMATOLOGEN e.V.MITTEILUNGSORGAN DES BDRH | AUSGABE MAI/JUNI 2017 …
Rheuma MANAGEMENTBDRh-Kongress12.-13. Mai 2017 in BerlinBERUFSVERBANDBDRhDEUTSCHER RHEUMATOLOGEN e.V.MITTEILUNGSORGAN DES BDRH | AUSGABE MAI/JUNI 2017   Æ»3EDITORIALRückblick auf den BDRh-Kongress 2017 Der diesjährige BDRh-Kongress fand erstmals in dem weltoffenen Seminaris CampusHotel in Berlin-Dahlem statt. Besonders erfreulich war der überwältigende Zuspruch zur Tagung mit 480 Teilnehmern. Gemeinsam erlebten wir ein ebenso facetten- wie umfangreiches Kongressprogramm.Geht man in einem Schnelldurchlauf durch das Programm, werden die einzelnen Highlights deutlich, aber auch der Unterschied zu dem vergangenen Kongress in 2016. Der Praxismanager André Bernert, Kiel, und Fernsehmoderator Dr. Johannes Wimmer, Hamburg, vermittelten gemeinsam konkrete Tipps zur Analyse des eigenen Bedarfs an rheumatologischen Akutsprechstunden. Im Praktikum gaben Prof. Wolfgang Schmidt, Berlin, und Prof. Johannes Strunk, Köln, in anschaulicher Weise konkrete Tipps zur Beurteilung von Enthesitiden und Vaskulitiden mittels Bildgebung. Die Weiterentwicklung von Soft Skills, nämlich die Leistungssteigerung durch werteorientiertes Führen, vermittelte Prof. Henning Wolf, München. Die große Neuheit auf diesem Kongress war ein Wettbewerb zur „best practice AkutSprechstunde“. Aus den eingereichten, großartigen Konzepten einer Umsetzung wurden zwei Gewinner ermittelt, einer aus dem ambulanten und einer aus dem stationären Bereich. Lesen Sie Näheres dazu in dieser Rheuma ManagementAusgabe. Traditionell unter dem Vorsitz meines Kollegen Prof. Jörn Kekow und neu von Dr. Michael Rühlmann gab es gleich drei State of the Art-Lectures: Über Sklerodermie berichtete Prof. Christof Specker, Essen, über Vaskulitiden Prof. Eva Reinhiold-Keller, Hamburg, und zu Malignomen unter Biologika-Therapie bei Kindern und Jugendlichen Prof. Gerd Horneff, Sankt Augustin.Dr. med. Ludwig Kalthoff Natürlich stand die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) Rheuma im Fokus dieses Kongresses. Alle sind wir voller Erwartung, weshalb eine rege Diskussion sowohl die Eröffnungssession als auch das Barcamp belebten. Großartig war nicht zuletzt die Keynote des BDI-Präsidenten Dr. Hans-Friedrich Spies! Mit dem neuen „Barcamp“ boten wir dieses Mal ein neues Format der Teilnehmerinteraktion, das uns darin bestärkt, weiter neue Wege zu beschreiten. Viele Highlights zur ASV Rheuma finden Sie in dieser Ausgabe, sowie – und auch dies ist neu! – in der Mediathek auf unserer Homepage www.bdrh.de. Schauen Sie sich gerne die bewegten Bilder vom Kongress an und nutzen bitte grundsätzlich unsere Internetseite als wichtige Informationsquelle.Wichtige Aspekte des Innovationsfonds aus dem rheumatologischen Blickwinkel, allen voran das VERO-Projekt aus dem wissenschaftlichen Team von Prof. Georg Schett, Erlangen, das in Kooperation mit der TK und weiteren Ersatzkassen zu einer Versorgungsverbesserung der Rheumapatienten führen soll, wurden ausführlich dargestellt. Prof. Jürgen Braun, Herne, stellte das Projekt „StärkeR“ vor, bei dem es in Zusammenarbeit mit der Barmer GEK um die Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen durch die Rheumatologischen Fachassistentinnen (RFA) geht, ohne die eine effektive Patientenversorgung nicht mehr denkbar ist. Unsere Antwort auf den zukünftigen „physician assistant“ ist eindeutig die RFA. Natürlich durfte die gesundheitspolitische Runde nicht fehlen, die mit einem hervorragenden Vortrag von Prof. Jürgen Wasem, Universität Duisburg/Essen, eingeleitet wurde. Überdies möchte ich auch die Industrie erwähnen, die mit ihren Satellitensymposien das Kongressbild inhaltlich abgerundet hat. Last but not least: Allen, die diesen Kongress zu einem tollen Erfolg geführt und beteiligt waren: Herzlichen Dank! Bereits jetzt freuen wir uns auf ein Wiedersehen im Jahr 2018! Wir treffen uns am 20.-21. April wiederum in Berlin-Dahlem im Seminaris CampusHotel. mIhr Dr. Ludwig Kalthoff   Æ»5Inhalt08RHEUMATOLOGISCHE VERSORGUNG Drei Projekte beim Innovationsfonds erfolgreich10DGRH-MEMORANDUM 2017 Versorgungsdefizite gefährden den Therapieerfolg10MITTEILUNGEN DES BDRH 12RHEUMATOLOGIE Im Spannungsfeld von Leitlinien und Wirtschaftlichkeitsprüfungen RA Jörg Hohmann21STELLENBÖRSEBDRH-KONGRESS 2017 26BDRH-KONGRESS Die ASV Rheumatologie als Chance begreifen30BEREIT FÜR DIE ASV RHEUMA (2) Tipps rund um das Anzeigeverfahren Sonja Froschauer32MEDIZINRECHT FÜR RHEUMATOLOGEN Beteiligung des Rheumatologen an LaboratorienDGRH-MEMORANDUM 201725RA Anna Herzig, RA Christian Koller33WETTBEWERB AKUTSPRECHSTUNDE Zwei gelungene Konzepte aus Klinik und Praxis ausgezeichnet34PRAXISMANAGEMENT Anbindung von RheumaDok an die Praxis-Verwaltungssoftware per GDT Nils Körber36VASKULITIDEN Neue Erkenntnisse zu Diagnostik und Therapien38SYSTEMISCHE SKLEROSE State-of-the-Art und neue Leitlinie im FokusBDRH-KONGRESS 2017 In Kürze finden Sie unter www.bdrh.de in der Mediathek zum Kongress Interviews zur ASV und Vortragsmitschnitte zu unterschiedlichen Themen, ASV-Themen auch unter www.rheumatology-today.   Æ»7Inhalt44BILDGEBENDE DIAGNOSTIK Fersenschmerz – Bursitis subachillea Prof. Dr. Herbert Kellner45BIOSIMILARS IN DER RHEUMATOLOGIE Steigende Evidenz für Wechsel jetzt auch aus der ärztlichen Routine46FRÜHE RHEUMATOIDE ARTHRITIS Aktuelle Studien im Blickpunkt: TryCort und PROMPT48RHEUMATOIDE ARTHRITIS Risiko für Folgeerkrankungen durch Biologika frühzeitig mindern53PSORIASIS-ARTHRITIS Abatacept zeigt Effektivität in Phase-III-Studie55SYSTEMISCHE SKLEROSE Aktuelle Ergebnisse aus Therapiestudien56EOSINOPHILE GRANULOMATOSE MIT POLYANGIITIS Ermutigende Phase-III-Daten zu IL-5-Inhibitor58RHEUMATOIDE ARTHRITIS Baricitinib effektive Alternative zu Biologika60ENTHESITIS BEI PSORIASIS-ARTHRITIS Mit Ultraschall früh diagnostizieren und mit Apremilast effektiv behandeln67PSORIASIS-ARTHRITIS Secukinumab mit anhaltender Effektivität bei Daktylitis und Enthesitis68RHEUMATOIDE ARTHRITIS Therapeutische Lücke mit Tofacitinib schließen: Gute Langzeitwirksamkeit und -sicherheit71IMPRESSUM44DER BESONDERE FALL56EOSINOPHILE GRANULOMATOSE MIT POLYANGIITIS8Rheuma MANAGEMENT | Mai/Juni 2017RHEUMATOLOGISCHE VERSORGUNGDrei Projekte beim Innovationsfonds erfolgreich Der Innovationsausschuss beim G-BA bewilligte im April 26 weitere FĂśrderprojekte, die im Rahmen der in 2016 ausgeschriebenen zweiten FĂśrderwelle der neuen Versorgungsformen eingereicht worden waren. Der Rheumatologie ist es gelungen, in der ersten und zweiten Welle drei von 55 Projekten erfolgreich beim Innovationsfonds zu platzieren: die Projekte StärkeR, VERO und Rheuma-VOR. Das FĂśrdervolumen der drei Projekte beträgt zusammen 16,4 Mio. Euro.Das aktuelle DGRh-Memorandum zeigt erneut auf, dass es fĂźr eine adäquate Versorgung von Rheuma-Patienten 1.350 Rheumatologen bräuchte – fast doppelt so viele wie zurzeit tätig. Hinzu kommt, dass Routineaufgaben die knappen ärztlichen Kapazitäten binden. Die Folge ist, dass nicht immer die gewĂźnschten Therapieziele erreicht werden kĂśnnen. Um die Situation zu verbessern, kĂśnnten qualifizierte rheumatologische Fachas-sistentinnen (RFA) Aufgaben der rheumatologischen Patientenversorgung Ăźbernehmen. Ob dies machbar ist, untersucht das StärkeR-Projekt („Strukturierte Delegation ärztlicher Leistungen im Rahmen konzeptionsgeregelter Kooperation in der Versorgung von Patienten mit entzĂźndlichem Rheuma“), mit dem sich das Rheumazentrum Ruhrgebiet in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum und niedergelassenen Rheumatologen aus dem RheumaNetz Westfalen-Lippeum den Innovationsfonds beworben hat. Das fĂźr 36 Monate mit 2,3 Mio. Euro gefĂśrderte Projekt unter Leitung von Prof. Dr. JĂźrgen Braun, Herne, will Modelle fĂźr Prozessverbesserungen in der Versorgung von Rheuma-Patienten durch eine effektivere und effizientere Zusammenarbeit verschiedener an der Versorgung beteiligter Berufsgruppen entwickeln. Kernpunkt des Projekts ist die struktu-    Ćť9Im Fokus: StärkeR, VERO und Rheuma-VOR Geplant ist, 800 Patienten mit stabilem Verlauf einer chronischen Polyarthritis oder Psoriasis-Arthritis in zwei Behandlungspfade einzuschließen und in einer randomisierten, Beurteiler-blinden Studie die Rolle einer Fachassistenzgesteuerten Versorgung zu evaluieren. Dafür wird die Versorgungsform mit integrierter Delegation mit der aktuellen Standardversorgung verglichen. Als Anhaltspunkt für Qualitätsunterschiede ziehen die Forscher die Differenz der Krankheitsaktivität zwischen Beginn und Ende des Evaluationszeitraumes heran sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Darüber hinaus erfassen sie die Veränderungen im Verlauf hinsichtlich Funktionskapazität, Patientenzufriedenheit und Ressourcenverbrauch – das sind vor allem Zeit und erbrachte Leistungen. An dem Projekt sind folgende Einrichtungen und Kooperationspartner beteiligt: Rheumazentrum Ruhrgebiet, BARMER GEK, Koordinierungszentrum für Klinische Studien Marburg, Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrieund Epidemiologie, Ruhr-Universität Bochum. Sind die Symptome und Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis (RA) durch erfolgreiche Behandlung unter Kontrolle, also zur Remission gebracht, können einige Patienten die Medikation bei entsprechender engmaschiger Kontrolle reduzieren oder sogar absetzen. Das großangelegte VERO-Projekt („Versorgung von Menschen mit Rheuma optimieren“) stellt eine engmaschige Krankheitskontrolle verbunden mit der Chance einer schrittweisen Reduktion von Biologika/ DMARDs auf den Prüfstand. Erstmals in Deutschland soll dieses Konzept bei einer großen Zahl von Patienten systematisch umgesetzt und evaluiert werden. Ziel ist es, ein umfassendes Krankheitsmanagement für RA-Patienten zu entwickeln, wobei auch das Selbstmanagement von Patienten gestärkt werden soll. Dabei stehen RA-Patienten in Remission im Vordergrund, denen verschiedene Behandlungspfade angeboten werden. Diese ermöglichen es Rheumatologen und Patienten, im Falle einer stabilen Remission die anti-rheumatische Therapie strukturiert zu reduzieren. VERO ist ein Gemeinschaftsprojekt des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh), des Universitätsklinikums Erlangen unter Leitung von Prof. Dr. Georg Schett, des Hamburg Center for Health Economics sowie der TK und 14 weiteren Krankenkassen. Nur durch eine adäquate Früherkennung lassen sich Folgeschäden verhindern, was den Erhalt der Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Rheuma-Patienten sichert. Das mit ca. 6 Mio. Euro geförderte Rheuma-VOR-Projekt („Verbesserung der rheumatologischen Ver-sorgungsqualität durch koordinierte Kooperation“) fokussiert auf die Frühdiagnose. Ziel ist es, aufbauend auf dem rheinland-pfälzischen Rheumanetzwerk ADAPTHERA, die Frühdiagnose in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Saarland zu optimieren. Hauptziel des Projektes ist die Verkürzung der Zeit bis zur Diagnosestellung, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Andreas Schwarting, Mainz/ Bad Kreuznach. Die Versorgungsform sieht eine „koordinierte Kooperation“ zwischen Hausärzten, Fachärzten und Patienten vor. Fachübergreifend besetzte Koordinationsstellen, die früh in den Diagnoseprozess eingebunden werden, steuern den Prozess: Sie helfen dem Hausarzt z. B. bei der Entscheidung, ob und wie dringlich eine Behandlung eingeleitet werden muss. Nach 18 Monaten prüfen die Forscher, inwieweit sich die Schulung der Hausärzte und der Einsatz der Koordinierungsstellen in einer steigenden Anzahl von gemeldeten Fällen widerspiegeln. Darüber hinaus wird die tatsächlich erreichte Zeit bis zur Diagnose evaluiert. Am Projekt beteiligt sind: Universitätsmedizin Mainz, MHH Hannover, Universitätsklinikum Saarland, Rheumazentrum Niedersachsen, Rheumazentrum RLP/ ACURA Kliniken Rheinland-Pfalz AG, Rheumazentrum Saarland, die KVen Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Saarland, Deutscher Hausärzte-Verband mit den Landesverbänden RheinlandPfalz, Saarland und Niedersachen, die Deutsche Rheuma-Liga mit ihren entsprechenden Landesverbänden, die Gesundheitsökonomie Leibniz Universität Hannover, und das DRFZ Berlin. m Quelle: Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), Mai 2017Die aktuelle Förderung des Innovationsfonds bietet weitere Chancen: Der Förderausschuss wählt nicht nur die erfolgreichen Bewerbungen aus, sondern entscheidet später auch maßgeblich mit darüber, welche Projekte in die Regelversorgung übernommen werden. Die Ausschreibung für das Jahr 2018 erfolgt im Herbst, die Themen werden derzeit festgelegt.AUSBLICKrierte Delegation ärztlicher Leistungen an rheumatologische Fachassistent(inn) en (FASS). Hierfür sollen bereits vorhandene FASS-Fortbildungsformate als Grundlage dienen. Das daraus zu entwickelnde Programm soll im Zuge einer kontrollierten Kooperationsstudie in 15 bis 20 Zentren in Westfalen-Lippe und perspektivisch auch an anderen Orten ausgerollt werden – in rheumatologischen Schwerpunktpraxen sowie in Krankenhausambulanzen. Der Aufbau von Behandlungsteams unter Einbeziehung der RFA hat das Potenzial zur Verbesserung der Gesamtversorgung, so im Hinblick auf eine potenzielle Verkürzung von Wartezeiten, eine gesteigerte Patientenzufriedenheit, der Lebensqualität der Patienten und, last but not least auch der Krankheitsaktivität. In letzter Konsequenz kann sich dies auf die strukturellen Schäden durch den entzündlichen Prozess auswirken und langfristig Arbeitsfähigkeit und Teilhabe der betroffenen Menschen verbessern, so Braun.10Rheuma MANAGEMENT | Mai/Juni 2017DGRH-MEMORANDUM 2017Versorgungsdefizite gefährden den Therapieerfolg Die Zahl der internistischen Rheumatologen in Deutschland muss sich verdoppeln, so eine Kernforderung der Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), die kürzlich in Berlin das dritte Memorandum zur Versorgungsqualität in der Rheumatologie vorstellte. Um dieses schon vor Jahren propagierte Ziel endlich zu erreichen, bedarf es nicht zuletzt einer eigenen Bedarfsplanung und Reformierung der studentischen Ausbildung.W3-Lehrstühle für Rheumatologie mit einem internistischen Rheumatologen als Direktor. Deshalb fehle es wiederum an jungen Ärzten, die sich rheumatologisch weiterbilden. Die Folge sind zu wenige internistische Rheumatologen und schlimmstenfalls eine Unterversorgung der Patienten, so Lorenz weiter.Bereits im Jahr 2008 und zuvor 1993 hatte die DGRh in einem Memorandum den Bedarf an rheumatologischer Versorgung in Deutschland definiert. Nun legt die Fachgesellschaft eine Aktualisierung vor, die aufzeigt, dass sich die Versorgungsmöglichkeiten kaum verbessert haben. Ca. 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter entzündlichrheumatischen Erkrankungen. Diese werden aber von lediglich 776 internistischen Rheumatologen betreut.Eigene Bedarfsplanung als wichtige Kernforderung Bei einem errechneten Mindestbedarf in der ambulanten Versorgung von 1.350 in Vollzeit tätigen Rheumatologen ergibt das ein Defizit von 574 Fachkräften – eine untragbare Situation für die Patienten, die ein Anrecht auf eine regelmäßige Versorgung haben, so Prof. Dr. Angela Zink, Berlin, Erstautorin des aktuellen Memorandums der DGRh. Zugleich ist auch in der stationären und rehabilitativen Versorgung der Bedarf bei Weitem nicht gedeckt: So fehlen in der akutstationären Versorgung bis zu 400 Rheumatologen, in der rehabilitativen Versorgung sind es rund 80. Zur Veränderung dieser misslichen Situation wird dringlich eine eigene Bedarfsplanung für internistische Rheumatologen gefordert, was aber angesichts der zu geringen Größe der Fachgruppe wohl nur schwer zu realisieren sein wird. Ziel ist, eine Verhältniszahl von 2 bis 3 Rheumatologen auf 100.000 Einwohner zu erreichen. Darüber hinaus wird gefordert, die Beschränkungen der Zahl abzurechnender Patienten und Leistungen für die Gruppe der internistischen Rheumatologen aufzuheben.Mehr Lehrstühle als GrundvoraussetzungProf. Dr. Angela ZinkBessere studentische Ausbildung essenziell Angesichts der sich stetig verbesserden Therapien ist die – aufgrund der zu geringen Zahl internistischer Rheumatologen und damit verfügbarer Termine – oftmals zu späte Diagnose ein umso größeres Problem. Gefordert sind hier also auch andere Arztgruppen. Daher muss die Rheumatologie bereits im Medizinstudium eine größere Rolle spielen. Die RISA-Studien zeigen, dass die internistische Rheumatologie hier nur mangelhaft verankert ist. Studierende haben während ihres Medizinstudiums nur 14 Vorlesungsstunden in Rheumatologie, sechs rheumatologisch-praktische Übungen und sieben Stunden Übungen am Krankenbett. Diese Schmalspur-Ausbildung bietet kaum Chancen, Interesse für das Fach zu entwickeln, kritisierte DGRh-Präsident Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz, Heidelberg. Auch gebe es viel zu wenige universitäre Lehrstühle, um rheumatologische Forschung und Lehre voranzutreiben. So gibt es nur an sieben Medizinischen Fakultäten C4-/Angesichts der Vielfalt und Komplexität entzündlich-rheumatischer Erkrankungen bleibt der Forschungsbedarf hoch, schloss sich DGRh-Generalsekretär Prof. Dr. Matthias Schneider, Düsseldorf, an. Um dem Mangel entgegenzuwirken, müsse an jedem Universitätsklinikum eine unabhängige internistisch-rheumatologische Einheit aufgebaut werden. Die recht kleine wissenschaftliche rheumatologische Gemeinschaft hierzulande ist jedoch sehr aktiv. Aus Deutschland kommt Rheuma-Forschung von internationalem Rang. Dieses Potenzial muss erhalten und gestärkt werden. Da die antirheumatische Therapie einen großen Anteil an den Medikamentenkosten im deutschen Gesundheitssystem bedingt und eine späte Diagnose auch aufgrund von Folgeerkrankungen, vor allem kardiovaskulären Komorbiditäten, mit noch höheren Gesundheitskosten verbunden ist, muss beginnend an den Universitäten dringend umgesteuert werden, erläuterte Schneider. m Literatur: Z Rheumatol 2017; 76(3): 195–207 Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), Berlin, 19. April 2017   Æ»12BDRhRheuma MANAGEMENT | Mai/Juni 2017RHEUMATOLOGIEIm Spannungsfeld von Leitlinien und Wirtschaftlichkeitsprüfungen Rheumatologische Therapieentscheidungen haben sich in erster Linie an Leitlinien und individuellem Patientennutzen zu orientieren und sollen zudem auch wirtschaftlich sein. Im Gegensatz zu methodisch transparent erstellten Leitlinien sind die Vorgaben regionaler Wirtschaftlichkeitsprüfungen weniger rational und teils existenzbedrohend. Fraglich ist, wie der Anspruch der gesetzlich Versicherten auf eine adäquate rheumatologische Versorgung und die Therapiefreiheit im Hinblick auf die neuen richtgrößenersetzenden gesetzlichen Maßnahmen gerettet werden können.1. Rheumatologische Therapieentscheidungen Grundlage für Therapieentscheidungen bei rheumatologischen Erkrankungen sind neben den jeweiligen Behandlungsumständen auch Leitlinien. Diese bilden die Basis einer evidenzbasierten Medizin und stellen einen Standard dar, auf den ein gesetzlich Versicherter einen Versorgungsanspruch hat. Weitere Entscheidungsgrundlagen sind formelle Kriterien wie der Zulassungsstatus eines Produktes und Wirtschaftlichkeitsvorgaben. Die Therapieentscheidung sollte auch diese Rahmenbedingungen berücksichtigen. Allerdings können wissenschaftliche Evidenz und gesetzliche Forderungen im Widerspruch stehen. Individuelle Behandlungsumstände wie Komorbiditäten, Unverträglichkeiten oder fehlende Adhärenz führen gegebenenfalls zum Ausschluss einer Therapie, die zwar in den Leitlinien empfohlen wird, im Einzelfall aber nicht zielführend wäre. Insbesondere das Vorhandensein innovativer, kostenintensiver Präparate schürt mögliche Konflikte zwischen wissenschaftlicher Evidenz einerseits und individuellen medizinischen oder auch nicht-medizinischen Aspekten andererseits. Bei Therapien mit einer breiten Auswahl preiswerter generischer Präparate ist dieses im Regelfall nicht problematisch, bei Therapien mit vielschichtigem individuellem Nutzen-Risiko-Potenzial und hohen Kosten ist hingegen besondere Aufmerksamkeit gefordert. Rheumatologische T
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