Römischer und vorrömischer Wein- und Obstbau im österreichischen Donauraum.

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Römischer und vorrömischer Wein- und Obstbau im österreichischen Donauraum. Von Heinrich L. Werneck, Linz/Donau. Einleitung. Über Herkunft und Ursprung der meisten unserer Kulturpflanzen, besonders aber
Römischer und vorrömischer Wein- und Obstbau im österreichischen Donauraum. Von Heinrich L. Werneck, Linz/Donau. Einleitung. Über Herkunft und Ursprung der meisten unserer Kulturpflanzen, besonders aber des Wein- und Obstbaues, gingen die Meinungen der Gelehrten bis um 1900/1910 weit auseinander. Denn einerseits hatte bereits 0. Heer (1865) die Pflanzenwelt der Schweizer Pfahlbauten und damit auch vieler Kulturpflanzen bearbeitet, Alphonse De Candolle (1883) den Ursprung der Kulturpflanzen weitgehend geklärt, hatte M. und K. Much (1879, 1882) die Auffassung von einem Nomadentum der Germanen gründlich widerlegt. Anderseits konnte aber noch 1896 der Kulturgeschichtler Ed. Hahn den Gedanken vertreten, daß die Germanen erst zur Zeit Caesars vom Nomadentum zum Ackerbau und zu festen Siedlungen übergegangen seien und dabei die Römer die vorzüglichsten Lehrmeister waren. Die gleiche Annahme hat auch Victor Hehn (1894) in meisterhafter Weise dargestellt. Nach R. Gradmann (1909) machen aber bereits in der Beweiskette auf römische und griechische Herkunft aller Kulturpflanzen die Getreidearten frühzeitig eine bemerkenswerte Ausnahme. Gradmann weist vor allem auf die wichtige Rolle der Ausgrabungen hin, auf die Ergebnisse von 0. Heer (1865), G. Buschan (1895) und besonders J. Hoops (1905), faßt die Ergebnisse seiner Untersuchungen dahin zusammen, daß sämtliche Getreidearten vorrömischen Ursprunges sind, und sagt schließlich: Unangreifbar bleibt aber folgende Reihe von Kulturpflanzen, welche ich dem Hehn sehen Buche entnehme und römischen Ursprunges sind: Birne (pirus), Pflaume (prunus), Kirsche (cerasus), Pfirsich (persica), Quitte (Cydonia), Walnuß (welsche Nuß), Wein (vinum) ; Kohl (caulis), Kappus (caputium), Petersilie (petroselinum) ; weiter Zwiebel, Rettich, Fenchel, Anis, Kümmel, Lattich, Spargel, Kukumen, Rose, Lilie. Das Bestehen dieser Ausdrücke allein schon in der deutschen Sprache ist ein erdrückender Beweis für den übermächtigen Einfluß, der von Rom ausging. Auch die Möglichkeit, daß die eine oder andere dieser Pflanzen in vorrömischer Zeit bei den Germanen schon bekannt war und nur mit einer neuen Anbau- und Gebrauchsweise einen neuen Namen erhielt, wird an der allgemeinen Tatsache nichts ändern. Soweit Gradmann (1909, S. 8 15). Von 1909 an wird nun durch weitere Ausgrabungen sowohl auf dem Gebiete des Wein- und Obstbaues wie auch des Gemüsebaues Schritt für 114 Schritt eine Bresche geschlagen in die These von der alleinigen römischen Herkunft der Kulturpflanzen in Mittelteuropa, auch wenn sie heute Namen aus römischer Wurzel tragen. Unter Beschränkung auf den Wein- und Obstbau sollen hier nur einige wenige Forscher mit Namen aufgezeigt werden : E. Neuweiler (1905, Zürich), verarbeitet vor allem die Kulturpflanzen aus den Pfahlbauten der Schweiz, Friedrich Netolitzky faßt 1931 unser Wissen von den Kulturpflanzen in Mitteleuropa zusammen; K. und Fr. B e r t s c h (1947) bringen eine große Schau von alten Kulturpflanzen, besonders von Mitteleuropa. Die folgenden Ausführungen werden im besonderen aufzeigen, wie viele von den unangreifbaren Obstarten römischer Herkunft im Sinne von Gradmann und H e h n nach dem Stande der heutigen Forschung übrig geblieben sind. I. Fundorte von wilden und gepflegten Obstarten in den Ostalpen. Allgemeine Übersicht. Um beweiskräftige Unterlagen für die folgenden Erörterungen zu gewinnen, müssen vorher die wichtigsten Fundorte mit ihrem Fundinhalt an Obsthölzern aus vorrömischer und römischer Zeit von dem größeren Räume der Ostalpen zur Vorlage gelangen, wie sie in den letzten 80 Jahren angefallen sind, die aber bisher noch nicht in einer knappen Zusammenfassung veröffentlicht wurden. Die Übersicht gibt bisher 19 Fundgruppen : A. Vorrömische = Urgeschichtliche Zeit. Späte Jungsteinzeit (Menghin, v. Chr.; Pittioni, v. Chr.). 1. Mondsee, Oö. M. Much E. Hofmann 1924 beschreibt: Wildund Kultur-Äpfel, Kirsche, Haselnuß. Pfahlbau. 2. Weyregg, Pfahlbau im Attersee, Oö. G. Wurmbrand 1871 : Krieche. 3. Seewalchen, Pfahlbau im Attersee, Oö. G. Wurmbrand, 1871: Koraelkirsche, Haselnuß. 4. Gmunden, Pfahlbau im Traunsee, Oö. G. Wurmbrand, 1871 : Apfelspalten. 5. Ossarn bei Herzogenburg, Nö. J. Bayer, 1927 : Kornelkirsche. 6. Ober St. Veit bei Wien, Gemeindeberg. J. Bayer, 1924: Kornelkirsche. Bronzezeit Urnenfelderzeit. Menghin v. Chr. Pittioni, (800) v. Chr. 7. Molina am Ledrosee, Südtirol. D a l l a F io r, 1940: Wildrebe, Kornelkirsche, Holzbirne, Haselnuß. 8. Edlach bei Windischgarsten, Weibliche Moorleiche mit Zwetschenkernen im Magen; allgemein Bronzezeit . Ältere Eisenzeit. Menghin, v. Chr. Pittioni, v. Chr. 9. Hallstatt im Salzberg, Oö. Hofmann-Morton 1928: Kulturäpfel, Kirschen. 10. Mödling, Kalenderberg, Nö. Kyrie, 1908; A. Stummer 1911: Wildrebe, v. Chr. 11. Stufeis bei Brixen, Südtirol. -Menghin, 1910: Wildrebe, um 600 v. Chr. 8* 115 Jüngere Eisenzeit La Tene. 500 (400) v. Chr. bis Beginn der Zeitrechnung. 12. Piperbühel bei Bozen, Südtirol. Menghin, 1913: Wildrebe, aber auch Kulturrebe mit Weinfässern. 2. Jahrhundert v. Chr. 13. Joslowitz, Südmähren. A. Fietz, 1931: Zwetschenkerne. 14. Postela bei Roßwein, Süd-Steiermark. P. Schlosser, 1910; W. Schmid, 1915: Blockhäuser zu einem keltischen Heiligtum aus echter Kastanie. La Tene, Stufe C ( v. Chr.). B. Übergangszeit von Spät-La Tene in die Zeit der 1. römischen Besetzung. 15. Nußdorf bei Wien, Brauerei. Bachoven van Echt, 1882: Kulturrebe, Apfelkerne, Kirsche, Krieche. 50 v. Chr. bis 50 n. Chr. C. Römische Besetzung des Landes (1U v. Chr. bis 4.88 n. Chr.). 16. Linz, Tummelplatz. P. Ka mit seh, 1953; Wem eck, 1955: Kulturrebe, Pflaumen, Zwetschen, Vogelkirsche, Kornelkirsche, Holz- oder Kulturapfel, Nuß. Obstweihefund im Vorraum des Mithraeums um n. Chr. 17. Linz, Erdkastell. P. Karnitsch, Werneck, 1955: Pfirsichkerne, Pflaumen, Aprikosenkerne n. Chr. 18. Penzendorfer Höhe bei Hartberg, Stank. M. Macher, 1847: Walnuß (Wildnuß?), Pfirsich, Zwetsche, Kirsche; Weihefund zwischen 1. Jahrhundert und 180 n. Chr. 19. Grillenberg bei Hartberg, Stmk. M. Macher, 1847 : Weinrebenholz zwischen 1. Jahrhundert und 180 n. Chr. Die beiden Obstfunde aus Linz 1952/5 stellen sich als die größten und wichtigsten nach ihrer Art für die ganzen Ostalpen dar und setzen uns in den Stand, die Forschungsergebnisse über die Herkunft unserer Obsthölzer im österreichischen Donauraum zu einem vorläufigen Abschlüsse zu bringen und zu einem ziemlich sicheren Urteil über Wein- und Obstbau in diesen frühen Zeiten zu gelangen. II. Die einzelnen Obsthölzer. 1. Die Wildrebe. Die Kulturrebe und der Weinbau. Wildrebe (Vitis vinifera L. var. silvestris Gmelini). Gepflegte Rebe (Vitis vinifera L. var. sativa De Candolle). Vom pflanzengeographischen Standpunkte aus ist es eine altbekannte Tatsache, daß die Wildrebe in unserem Räume ein fester Bestandteil des pannonisch-pontischen Au- und Bergwaldes ist, daß dieses Element in den Donauauen noch um 1900/10 bis nach Klosterneuburg verbreitet war, in früheren Zeiten auch in das untere Traisental und bis nach Krems reichte und auch heute noch an der unteren und mittleren March sich vorfindet. Zu den Wildreben sind auch zu rechnen jene Frühfunde von Rebenkernen in den Ostalpen, welche die Illyrier von Mödling bereits um v. Chr. sammelten, ebenso die Kerne von Molina am Ledrosee aus der Bronzezeit, von Stufeis bei Brixen am Ende der älteren Eisenzeit um 500 v. Chr.; Kulturreben sind bereits die Rebenkerne vom Piperbühel bei Bozen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr.; denn die Kelten kannten bereits Weinfässer. Die Wildrebe im Donauraum trat in vielen echten Varietäten, in allen Farben der Beeren von tief schwarz über weinrot, -gelb und grün auf, wie Í16 sie auch B r o n n e r 1857 vom Rheirital beschreibt. Vom einfachen Sammeln der Wildreben zur eigentlichen Kultur ist nur ein kleiner Schritt : Zweige der Wildrebe brauchten nur mit dem Stein- oder Bronzemesser abgeschnitten, in den Boden gesteckt zu werden und sie trieben von selbst weiter. Die Illyrier und Kelten machten schon frühzeitig Auslese nach Auge und Geschmack der Beeren, pflanzten solche Stecklinge mit viel Liebe in der Nähe ihrer Siedlungen und gingen dabei unmerklich von selbst zur Pflege und Kultur der Wildrebe über. Wenn nicht schon die Illyrier (bis 500 v. Chr.), so war in unserem Raum den Kelten an der Donau und in den Ostalpen (Noricum) die Kultur der Weinrebe bekannt. Der erste Beleg für einen bereits keltischen Weinbau ist der Fund von Nußdorf bei Wien aus der Zeit von der ausgehenden Spät-La Tène-Zeit bis in die erste römische Kaiserzeit (50 v. Chr. bis 50 n. Chr.), also aus der letzten Zeit des norischen Königreiches bis 50 n. Chr.; er stammt vom Aushube bei der Erweiterung der ehemaligen Brauerei Nußdorf und wurde im Jahre 1882 vom Besitzer Bachoven van Echt an das Botanische Institut Wien III geschenkt. Die Rebenkerne dieses Fundes stehen in ihren Abmessungen und in morphologischer Hinsicht jenen vom Linzer Funde, von welchem anschließend die Rede sein soll, sehr nahe, sind als Kulturreben donauländischer Herkunft anzusprechen und zeigen auch gleichzeitig die größte Verwandtschaft mit den donauländischen Wildreben von der Lobau bei Wien aus der unmittelbaren Gegenwart (F. Kirchheimer 1955; E. Schiemann 1953, S. 319/24; Wer neck 1955, S ). Die Reste von Rebenstöcken vom Grillenberg bei Hartberg, Stmk, wurden aus römischen Gräbern der Zeit zwischen 1. Jahrhundert uiid : 180 n. Chr. gehoben, sind aber leider in Verlust geraten und entziehen sich darum einer Nachprüfung. Als der wichtigste Fund von Rebenkernen, sowohl am Donaulimes wie überhaupt in den Ostalpen, ist jener aus Linz/Tummelplatz zu betrachten, welcher im Jahre 1953 von P. K a r n i t s c h gehoben und vom Verfasser 1955 eingehend bearbeitet wurde. Diese Rebenkerne, 57 an der Zahl, waren Bestandteil eines größeren Obstweihefundes im Vorraum des Mithraeums. Dieses letztere wurde zwischen n. Chr. wahrscheinlich von Christen niedergebrannt. Der Gesamtfund mit allen übrigen Steinobstkernen wog rund 4200 g. Diese Rebenkerne wurden mit der Schublehre durchgemessen, die weiteren Untersuchungen an Hand eines umfangreichen Vergleichsstoffes brachten ein sehr überraschendes Ergebnis: Legen wir Wildreben vom Rhein (Sammlung Kirchheimer) und von der Donau unterhalb von Wien (Lobau) (Sammlung Kirchheimer) aus der Gegenwart und die Kerne des römischen Linzer Fundes nebeneinander, so passen die Linzer Kerne haargenau nach ihrer Ausformung zu den pannonischen Wildrebenkernen von der Lobau aus der Gegenwart. Genaue Messungen und Vergleiche mit der Schublehre bestätigen die Augenprobe durch einwandfreie Zahlen. Was heißt das aber? Die Kerne des Linzer Fundes stammen von bodenständigen, donauländischen Rebensorten ab, die Reben 117 selbst sind also weder vom Rheine noch von Italien, also jedenfalls nicht von den Römern hereingebracht worden. Bekannt ist die Tatsache, daß viele niederösterreichische Rebensorten der Gegenwart gegenüber den Rebensorten vom Rhein und jenen von Oberitalien eine Sonderstellung einnehmen und in keinem anderen Räume als bodenständig erkannt wurden. Hätten aber erst die Römer den Weinbau eingeführt, so hätten sie sicher italienische Rassen mitgebracht. Die Bodenständigkeit der Linzer römischen Kulturreben läßt aber den sicheren Schluß zu, daß erst recht die weiter östlich gelegenen Weinrassen in Pannonien ebenso aus den pannonischen Wildreben hervorgegangen sind, daß also die Pflege einer bodenständigen Weinrebe schon vor den Römern, mindestens von den Kelten, geübt wurde. Jedenfalls erweist sich die Behauptung, wie sie heute noch in gebildeten Kreisen vorherrscht, daß erst Kaiser Probus ( n. Chr.) den Weinbau am Donaulimes eingeführt habe, nach dem heutigen Stande der Forschung als unhaltbar und ist in das Reich der Sage zu verweisen. Schon die sicheren Nachrichten der älteren römischen Geschichtsschreiber und Naturwissenschaftler sprechen deutlich gegen eine solche Auffassung: Dio C a s s i u s (229 n. Chr.) schildert die Landschaft Pannoniens zur Zeit der Unterjochung der Pannonier durch Augustus ( v. Chr.) mit folgenden Worten: neque apud eos (Pannonios) oleum, aut vinum, nisi paucissimum, nascitur. (L e s k o- schek, 1934, 8). Damit gesteht er den Kelten einen Weinbau zu, wenn auch in römischem Lichte nur Sorten mit geringen Ernteerträgen. Nun ist bekannt, daß bereits Kaiser Domitian (81 96 n. Chr.) aus Furcht, die Weinkultur in den Provinzen könne den Getreidebau überwuchern, durch ein Gesetz festlegte, daß die Hälfte und mehr aller außerhalb Italiens bestehenden Weinberge auszurotten seien. Die Provinzialen sollten eben nur billiges Getreide liefern, Italien wollte sich aber die Ausfuhr des teuren Öles und Weines vorbehalten. Diese Maßregel ließ sich aber nicht durchführen. Die römischen Gesichtsschreiber Aurelius Victor (De Caesaribus, 37) und Eutropius (Breviarium ab urbe condita, liber 9, 11) berichten: Probus Gallos et Pannonios vineas habere permisit. Nach Flavius Vopiscus (Scriptores Historiae Augustae, H. Jordan, 1864) war Kaiser Probus ( n. Chr.) in Syrmium geboren und suchte besonders in seiner Heimat den Weinbau zu verbreiten; er hob deswegen die entgegenstehenden Gesetze auf, ließ durch seine Soldaten neue Weinberge anlegen und überließ diese dann der bodenständigen Bevölkerung. Im Jahre 282 wurde er von den Soldaten, welche diese harte Arbeit für untragbar hielten, erschlagen. Probus führte also nicht erst den Weinbau neu ein, sondern hob bloß die bestehenden, gesetzlichen Einschränkungen in den Provinzen wieder auf (Leskoschek 1935, S. 10 bis 15). Es bestand also schon vor Probus in Pannonien und im anschließenden Noricum ein bodenständiger Weinbau der Kelten. Zusamenfassung: Die Wildrebe ist ein Element des bodenständigen pannonischen Auwaldes; die Kelten, vielleicht die Illyrier entwickelten aus dieser bodenständigen Rebe im Räume zwischen Regensburg und Hainburg 118 eine bodenverwurzelte Weinkultur. Diese Tatsache wird besonders durch den Linzer Fund erhärtet. 2. Die Pflaumen, Zwetschen und ähnliche Formenkreise (zwischen Prunus domestica L. und Prunus cerasifera Erh.). Vorrömische Funde: Weyregg am Attersee, späte Jungsteinzeit; Krieche oder Haferpflaume. Edlach bei Windischgarsten, Bronzezeit: Zwetsche im Magen einer Moorleiche. Übergangszeit zur römischen Besetzung: Nußdorf bei Wien, 50 v. Chr. bis 50 n. Chr.; Zipparten oder Bidlinge. Römische Zeit: Linz, Theater, n. Chr.: Formenkreis der Bidlinge oder Zipparten. Linz, Tummelplatz, n. Chr. : 10 Formenkreise von den Kriechen über Zwetschen bis zu den Zipparten. Penzendorf bei Hartberg, n. Chr.: Zwetschen , in Verlust geraten. Zum Vergleich stehen die Kerne von der Saalburg/Taunus zur Verfügung (bis 276 n. Chr.). Getrennt nach den einzelnen Unterarten ergeben sich: a) Die echten Pflaumen (Prunus domestica L. ssp. insititia Poiret). Hierher gehören die Kriechen von Weyregg, derzeit nicht greifbar. Im Linzer Fund vom Tummelplatz wurden vier Formenkreise (1 4) festgestellt; die Kerne sind rund bis oval, ohne ausgeprägte Spitze, Länge 7,6 19,7 mm, also sehr kleine bis sehr große, die den großen Pflaumen der Gegenwart an Größe nicht nachstehen. b) Die Halbpflaumen und Halbzwetschen (Prunus domestica L. ssp. intermedia). Hieher gehören die Formenkreise 7 und 8: die halbmondähnlichen Kerne in der Länge von 13,4 19,9 mm des Formenkreises 7. Die Halbzwetschen des Formenkreises 8 mit Kernen der Länge 12,7 bis 16,2 mm. c) Die echte Zwetsche (Prunus domestica L. ssp. oeconomica C. K. Schneider). Urgeschichtlicher Fund : Joslowitz, Südmähren ; F i e t z 1931 ; E d 1 a c h 1921?. Römische Zeit : Penzendorf er Höhe bei Hartberg, Stmk. ; M. Macher Im Linzer Weihefund vom Tummelplatz bilden die echten Zwetschen die Formenkreise 9 und 10 und weisen in den Kerngrößen einen sehr weiten Spielraum aus: die kleinen Kerne Länge von 13,9 17,6 mm; die größten, Länge 18,0 22,4 mm, stehen somit den heutigen Rassen in keiner Weise nach. d) Die Zipparten = Zeiberl. Die Bidlinge. Beide Formen stehen derzeit noch außerhalb jedes botanischen Systems. Die Zipparten (Prunus domestica L. ssp. insititia P. var. pomariorum Boutigny?) sind nachgewiesen im Funde von Nußdorf bei Wien (50 v. Chr. bis 50 n. Chr.), bilden im Linzer Fund vom Tummelplatz die Formenkreise 5 und 6, weisen eine Größe von 11,1 14,3 mm aus. Frucht und Kern stehen der Kirschpflaume sehr nahe (Prunus cerasifera L.). K. Bertsch hat gleiche Kerne von halbwilden Bäumen aus Württemberg beschrieben, W e r n e c k hat kugelige Früchte unter dem Namen Zeiberl Seiberl im Hausruck und Innviertel gesammelt. 119 Unter dem Namen Bidlinge kommen heute noch im halbwilden und gepflegten Zustande pflaumenähnliche Früchte im Inn-, Hausruckviertel und im Ennstale vor, deren Kerne haargenau mit Kernen im Formenkreis 5 und 6 des Linzer Fundes vom Tummelplatz übereinstimmen ( n. Chr.), ebenso auch sind die beiden Kerne vom Theater-Linz (18 80 n. Chr.) den Bidlingen zuzurechnen. Zipparten und Bidlinge stehen nach der Zeit der ältesten Funde an der Grenze vom Norischen Königreich zur frühen römischen Besetzung (50 v. Chr. bis 50 n. Chr.), weisen also schon in die Spät-La Tène-Zeit hinein, wurden also bereits von den Kelten gezogen. Sie sind heute im Aussterben. Zipparten und Bidlinge sind wahrscheinlich Formenkreise und Elemente des natürlichen Eichenmisch-Waldes. Wenn sie nicht natürliche Glieder einer bodenständigen Waldgesellschaft wären, so hätten sie sich kaum seit der jüngeren Eisenzeit in Oberösterreich in wildem und halbwilden Zustande bis auf die Gegenwart ohne jede Pflege herübergerettet. Zusammenfassung: An der Bodenständigkeit der Kriechen, Zeiberl, Bidlinge, wie auch der Zwetsche selbst, ist nach der Zeitstellung ihres ersten Vorkommens nicht zu zweifeln ; alle vier Formengruppen halte ich für natürliche Glieder des Eichen-Mischwaldes, die in ihren Primitivformen mit diesem aus dem Osten einwanderten und aus denen allmählich durch Auslese bestimmte gepflegte Rassen herausentwickelt wurden. Die Römer brachten hier nicht neue Arten und Unterarten, vielleicht nur einige feinere Sorten, denen aber an Größe die einheimischen nicht nachstanden. 3. Die Dierndl-Kornelkirsche (Cornus mas L.) auch Diernten . Die Belege als Nutz- und Kulturpflanze reichen weit zurück: aus der späten Jungsteinzeit von Seewalchen, Oö., Ossarn bei Herzogenburg und Ober St. Veit-Wien. In römischer Zeit vom Tummelplatz in Linz in mehreren Formenkreisen. Die Diernten haben in der Gegenwart ihre Verbreitung im pannonischen Bezirk und Zwischenbezirk im Sinne von W e r n e e k, also im gegenwärtigen und mittelalterlichen Weinbaugebiet. Dieses wilde und Kultur-Obst war noch bis vor 50 Jahren in Nö. und Oö. stark verbreitet und ist durch den Kahlschlag der Auen und Wälder im Aussterben begriffen. Die Kornelkirsche ist ein Glied der südeuropäisch-pontischen Wälder im Sinne der Pflanzengeographie; sie begleitet heute noch den Nordhang des Sandsteines in Nö. und teilweise von Oberösterreich und wurde in zahlreichen Rassen von schwarz dunkelrot hellrot wachsgelb weiß gepflegt, ist eine köstliche Latwerge und wurde auch zu Branntwein verarbeitet. Es ist nur schade, daß diese wertvolle und köstliche Obstart so weit zurückgegangen ist, sie wird aber auch heute von den Landwirtschaftskammern einer Förderung nicht mehr für würdig befunden. Die Kornelkirsche ist sicher ein natürliches Glied des bodenständigen Eichen-Mischwaldes und wurde von den Römern nicht erst künstlich in unseren Raum eingebracht. 120 4. Die Kirschen. Süßkirsche (Prunus avium L.) und Sauerkirsche (Prunus cerasus LJ. Die Süßkirsche. Belegstücke aus der jüngeren Jungsteinzeit vom Mondsee; aus der älteren Eisenzeit: Hallstatt; von Ende der La Tene- bis zur ersten Kaiserzeit : Nußdorf bei Wien ; aus der römischen Zeit : Penzendorf, Stmk. und in besonders großen Mengen vom Obstweihefund in Linz/ Donau ( n. Chr.). Genaue Messungen bei den Linzer Kernen und bei den bodenständigen wilden und Kulturkirschen in Oö. hatten folgendes Ergebnis: Die Kerne vom Linzer Fund sind fast kugelrund,
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