Zusammenhänge zwischen Armut und Bildung Armut ist vererbbar. Daten und Fakten

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Zusammenhänge zwischen Armut und Bildung Armut ist vererbbar. Daten und Fakten Presseunterlagen Wien, I) ZUSAMMENHANG VON ARMUT UND SCHLECHTER AUSBILDUNG Gute Noten in der Schule hängen zu einem
Zusammenhänge zwischen Armut und Bildung Armut ist vererbbar. Daten und Fakten Presseunterlagen Wien, I) ZUSAMMENHANG VON ARMUT UND SCHLECHTER AUSBILDUNG Gute Noten in der Schule hängen zu einem hohen Prozentsatz vom Bildungsniveau und vom Einkommen der Eltern ab, denn in Österreich gilt immer noch: Wer arme Eltern hat, hat schlechtere Chancen in der Schule. Armut ist in Österreich vererbbar. Wahl der Schulform Je weniger die Eltern verdienen, desto seltener wechseln ihre Kinder nach der vierten Klasse Volksschule in die AHS-Unterstufe, auch wenn ihre Noten gut genug dafür wären. In der AHS haben 27% der Kinder Eltern, deren Einkommen unter Euro liegt, in der Hauptschule sind es 45%. In der Oberstufe setzt sich die Ungleichheit fort: Nur ein Viertel der Kinder, deren Eltern als HilfsarbeiterInnen arbeiten, besuchen die AHS-Oberstufe oder die BHS (24,8%), während dies drei Viertel (74,3%) der Kinder aus Familien tun, deren Eltern hochqualifizierte Tätigkeiten ausüben. (Vgl. Institut für Bildungsforschung 2004) Bildung wird vererbt: Während 69 % der SchülerInnen, deren Eltern einen tertiären Bildungsabschluss haben, angeben, nach der Volksschule in eine AHS-Unterstufe zu wechseln, sind es nur 16 % der SchülerInnen, deren Eltern maximal einen Pflichtschulabschluss aufweisen. (Quelle: Nationaler Bildungsbericht 2012) Österreichs Schulsystem ist ein System der frühzeitigen sozialen Auslese. Bereits mit zehn Jahren erfolgt eine Selektion in Hauptschule und Gymnasium. Auch hier sind Bildungsniveau und Einkommen der Eltern auschlaggebend für den Bildungsweg der Kinder. Je weniger Schule und berufliches sowie privates Umfeld der Eltern geeignet sind, niedrige Bildungsabschlüsse der Eltern zu kompensieren, umso höher wird das Risiko für die Kinder, keinen guten Bildungsabschluss zu haben und in der Folge auch bei den Berufschancen benachteiligt zu sein. (Vgl. Hermann Kuschej, Karin Schönpflug, IHS 2014) Die gemeinsame Schule der jährigen hat sich mit Ausnahme von Österreich und Deutschland beinahe überall in Europa durchgesetzt. Auch Schulen, die sich vorrangig halbtags organisieren sind im europäischen Vergleich eine Ausnahme. Erst seit dem Schuljahr 2006/07 müssen in Österreich ganztägige Angebote an den Schulstandorten eingerichtet werden, wenn 15 oder mehr Erziehungsberechtigte dies wünschen. (Vgl. Nationaler Bildungsbericht 2012). Wir haben im europäischen Vergleich eine geringe Kinderarmut, aber nur durchschnittliche Werte bei den sozialen Aufstiegschancen von Kindern aus ärmeren Haushalten. 2 Quelle: Bruneforth, M., Weber, Chr. & Bacher, J., 2012: Chancengleichheit und garantiertes Bildungsminimum in Österreich. In: B. Herzog-Punzenberger (Hrsg.): Nationaler Bildungsbericht Österreich Band 2. Fokussierte Analysen bildungspolitischer Schwerpunktthemen. Graz: Leykam, S. 113 Schulabbruchsquote Auch die Auswirkung auf die Quote der frühen BildungsabbrecherInnen (keine weitere Ausbildung nach der Pflichtschule) ist gravierend: Sind die Eltern AkademikerInnen, liegt sie bei 3,7%. Ist die Schulbildung der Eltern niedrig, erhöht sich die Quote auf bis zu 18,7%. Sind die Eltern arbeitslos, liegt sie gar bei 20,8%. (Quelle: Nationaler Bildungsbericht 2009) 3 Nachhilfe 25% der Eltern haben im laufenden Schuljahr oder in den Sommerferien Nachhilfe für zumindest eines ihrer Kinder benötigt. Beim Großteil (19%) handelt es sich um bezahlte Nachhilfe. Die jährlichen Nachhilfekosten lagen im Schuljahr 2013/2014 bei 109 Millionen Euro. Pro Kind beliefen sich die Kosten auf 732 Euro im laufenden Schuljahr. Mit rund 910 Euro benötigen Eltern, deren Kinder eine AHS-Oberstufe besuchen, am meisten Geld. Eine private Nachhilfe ist eine Frage des Einkommens. Nur 10% der bezahlten Nachhilfe fällt auf Haushalte mit einem monatlichen Einkommen bis zu Euro, 57% der Nachhilfe werden von Haushalten bezahlt, die ein Einkommen von mehr als Euro im Monat zur Verfügung haben. Die Hälfte der Eltern (+5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr), die für ihr Kind innerhalb des letzten Jahres eine externe Nachhilfe bezahlen mussten, fühlt sich dadurch sehr stark oder spürbar belastet. Für ein weiteres Viertel der Eltern bedeuten diese Kosten zumindest eine gewisse Belastung. 14% der EinkommensbezieherInnen, die mit einem Einkommen bis Euro ein so geringes Einkommen haben, dass sie sich bezahlte Nachhilfe nicht leisten können, hätten für ihr Kind gerne eine Nachhilfe in Anspruch genommen. 36% aller Eltern geben als Grund, dafür, dass sie keine Nachhilfe in Anspruch genommen haben, obwohl es notwendig gewesen haben, dass sie sich diese finanziell nicht leisten konnten. Eltern müssen mit ihren Kindern lernen: In einem Drittel der Haushalte müssen die Eltern so gut wie täglich mit zumindest einem ihrer Kinder Hausaufgaben machen oder sie beim Lernen unterstützen. Eltern, deren Kinder eine Ganztagsschule besuchen, müssen mit ihnen weniger üben, aber immer noch 23% tun dies täglich. 25% aller Eltern fühlen sich dadurch überfordert, besonders jene, die seinen geringen Bildungsabschluss haben: 70% der Eltern mit Pflichtschulabschluss geben an, dass sie zumindest in einzelnen Fächern fachlich überfordert sind. Jede zusätzlich nötige bzw. privat finanzierte Nachhilfe bedeutet somit eine weitere Benachteiligung der einkommensschwächeren Familien. Davon sind in besonderem Maße zugewanderte Familien, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, und Alleinerzieherinnen betroffen. (Vgl. AK Studie, Nachhilfe 2014) 4 Lesekompetenz Kinder bildungsferner Schichten weisen eine bis zu 13% schlechtere Lesekompetenz auf. Bei den Noten zählt aber nicht nur das Können. Studien zeigen, dass sie selbst bei gleicher Lesekompetenz schlechtere Noten erhalten. Die Wahrscheinlichkeit in Deutsch einen Einser zu bekommen ist um bis zu 10% niedriger. (Quelle: PIRLS 2006) Am Ende der Volksschule liegen Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschule in ihrer Kompetenzentwicklung im Lesen mehr als ein Jahr hinter Kindern von gut ausgebildeten Eltern zurück und wechseln bei gleichen Leistungen seltener in eine AHS-Unterstufe. (Quelle: Nationaler Bildungsbericht 2012) Gute Bildung verhindert Armut Bildung ist ein wesentlicher Faktor, um Armut zu vermeiden Wer lediglich einen Pflichtschulabschluss hat, ist doppelt so oft armutsgefährdet wie jemand mit Universitätsabschluss (20% zu 11%). (Statistik Austria, EU SILC 2012) Personen mit maximal Pflichtschulabschluss verfügen im Schnitt über ein Nettohaushaltseinkommen von Euro, Personen mit Universitätsabschluss über Euro. Anders ausgedrückt: 36% der Personen mit maximal Pflichtschulabschluss befinden sich im untersten Einkommensviertel, während sich 52% der Personen mit Universitätsabschluss im obersten Einkommensviertel befinden. (Statistik Austria EU SILC, 2012) Chancen am Arbeitsmarkt 60% der AbsolventInnen einer Universität oder einer berufsbildenden Schule erhalten innerhalb von drei Monaten nach Ausbildungsabschluss eine Jobzusage, bei Personen mit lediglich Pflichtschulabschluss sind es 20%. (Quelle: Statistik Austria, Bildungsmonitoring 2012) 43% der einen UniversitätsabsolventInnen verdienen in ihrem ersten Job ab Euro. Von den AbsolventInnen einer Lehre sind das 8% (Quelle: Statistik Austria, Bildungsmonitoring 2012). Bildungsniveau und Armut Personen mit geringerer Ausbildung haben nicht nur geringere Einkommen und sind dadurch öfter armutsgefährdet oder von dauerhafter Armut betroffen, sie sind auch öfter krank als Menschen mit höherer Ausbildung, sterben früher, leben in schlechteren Wohnungen und können sich weitaus häufiger Grundbedürfnisse wie Heizen, Kleidung kaufen oder unerwartete Ausgaben zu tätigen nicht leisten. 5 II) ARMUT IN ÖSTERREICH Als Armutsgefährdungsschwelle werden laut EU-SILC 60% des Median-Pro-Kopf- Haushaltseinkommens definiert. Für einen Einpersonenhaushalt beträgt die Armutsgefährdungsschwelle laut EU SILC Euro pro Jahr, das sind Euro im Monat (Jahreszwölftel). Für Mehrpersonenhaushalte erhöht sich der Betrag um rund 545 Euro pro Erwachsenen bzw. um 327 Euro pro Kind. Für eine Alleinerzieherin mit drei Kindern sind das beispielsweise Euro, für eine aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern bestehende Familie sind das Euro. Im Schnitt liegt das Einkommen der Einkommensarmen um 218 Euro unter der Armutsgrenze, das heißt, es betrug 872 EUR für einen Einpersonenhaushalt Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft haben weniger als 600 EUR monatlich zur Verfügung, alleinlebende Pensionistinnen müssen mit weniger als 690 EUR auskommen, Ein-Elternhaushalte mit weniger als 760 EUR (äquivalisiertes Nettohaushaltseinkommen). Sozialleistungen reduzieren das Armutsgefährdungsrisiko um rund zwei Drittel und sichern Teilhabechancen. Ohne Pensionen und Sozialleistungen würde die Armutsgefährdungsquote statt bei 14,4% bei 44% liegen. Demnach verringert sich die Zahl der Armutsgefährdeten durch staatliche Transfer- und Versicherungsleistungen von rund 3,7 Millionen auf rund 1,2 Millionen Menschen in Österreich (14,4% der Bevölkerung) sind armutsgefährdet. Ein Viertel der Armutsgefährdeten sind Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre, das heißt, Kinder und Jugendliche sind armutsgefährdet. Frauen sind mit 15% häufiger armutsgefährdet als Männer mit 12 % Kommen zu Einkommensarmut Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen hinzu, wird von akuter oder manifester Armut gesprochen. Einschränkung in zentralen Lebensbereichen heißt: Die Betroffenen können abgetragene Kleidung nicht ersetzen, die Wohnung nicht angemessen warm halten, geschweige denn unerwartete Ausgaben tätigen. Außerdem sind arme Menschen häufiger krank und leben oft in überbelegten, feuchten, schimmligen Wohnungen, weil beispielsweise das Geld für eine Wohnraumsanierung fehlt Personen (rund 5% der Bevölkerung) sind manifest arm, darunter Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre. 6 Finanziell bedingte Einschränkungen bei Grundbedürfnissen Es waren insgesamt 14% der Gesamtbevölkerung von finanzieller Deprivation betroffen und konnten sich 2 der folgenden 7 Dinge nicht leisten: Die Wohnung angemessen warm zu halten, regelmäßige Zahlungen in den letzten 12 Monaten rechtzeitig zu begleichen, notwendige Arzt- oder Zahnarztbesuche in Anspruch zu nehmen, unerwartete Ausgaben bis zu Euro zu finanzieren, neue Kleidung zu kaufen, jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch (oder entsprechende vegetarische Speisen) zu essen, Freunde oder Verwandte einmal im Monat zum Essen einzuladen Menschen (8%) können es sich nicht leisten, einmal im Monat Freunde oder Familie zum Essen einzuladen Menschen (8%) können sich aus finanziellen Gründen nicht ausgewogen ernähren. Unerwartete Ausgaben können Menschen (22%) nicht tätigen. Für Menschen (6%) ist es nicht möglich, neue Kleidung zu kaufen, wenn die alte abgetragen ist Personen (7%) sind mit Zahlungen im Rückstand. Die Heizkosten sind für Menschen (3%) nicht leistbar. Für den Großteil der Bevölkerung ist die Leistbarkeit notwendiger Arztbesuche gegeben, Menschen (2%) können sich diese medizinische Grundversorgung allerdings nicht leisten Menschen in Österreich sind von erheblicher Deprivation betroffen. Das heißt, dass der Haushalt von zumindest vier der folgenden Einschränkungen betroffen ist: Zahlungsrückstände, unerwartete Ausgaben nicht leistbar, einmal im Jahr Urlaub nicht leistbar, Wohnung angemessen warm halten nicht leistbar, regelmäßig Fisch, Fleisch oder vergleichbar vegetarisch zu essen nicht leistbar, PKW nicht leistbar, Waschmaschine nicht leistbar, Fernseher nicht leistbar, Telefon nicht leistbar. Besonders armutsgefährdete Gruppen Ein-Eltern-Haushalte: 30% Personen in Mehrpersonenhaushalten (mindestens 3 Kinder): 25% Alleinlebende Frauen mit Pensionsbezug: Männer 15%, Frauen 24% Alleinlebende Personen ohne Pension: Männer: 23%, Frauen: 29% MigrantInnen: 31% Eingebürgerte ÖsterreicherInnen: 20% Langzeitarbeitslose (mindestens sechs Monate arbeitslos): 43% Arbeitslose: 40% Teilzeitbeschäftigte (weniger als 12 Stunden): 23% 7 Armutssituation von Kindern und Jugendlichen Armutsgefährdung: 17%, Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre Besonders prekär ist die Situation für Kinder ohne österreichische Staatsbürgerschaft: 35% sind armutsgefährdet. Die Hälfte der armutsgefährdeten Kinder und Jugendlichen ( ) lebt in Familien, die es sich nicht leisten können, auf Urlaub zu fahren. Knapp 60% ( ) leben in Familien, die es sich nicht leisten können, unerwartete Ausgaben zu tätigen. 8% (23.000) der armutsgefährdeten Kinder leben in zu kalten Wohnungen. 32% (98.000) leben in zu kleinen Wohnungen, 19% (57.000) in feuchten oder von Schimmel befallenen Wohnungen. 21% (63.000) müssen sich beim Essen einschränken. 18% aller armutsgefährdeten Kinder (54.000) können nicht zumindest einmal im Monat FreundInnen nach Hause einladen. Die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen nimmt mit zunehmendem Alter der Kinder ab Kinder zwischen 0 und 5 Jahre (23% aller 0 bis fünf-jährigen) sind armutsgefährdet, zwischen 6 und 9 Jahre sind es (18%), zwischen 10 und 14 Jahren (15%) und zwischen 15 und 17 Jahren (13%.). Daten und Fakten zusammengestellt von: Mag.a Verena Fabris, Volkshilfe Österreich, Juni Für EU SILC 2012 wurden erstmals weitgehend Verwaltungsdaten zur Feststellung des Einkommens herangezogen (Lohnsteuerdaten oder Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Die Einkommensverteilung ist ungleicher als bisher durch Befragungen festgestellt wurde. Personen in der unteren Einkommensskala haben tatsächlich geringere Einkommen und Personen in den oberen Einkommensgruppen haben tatsächlich höhere Einkommen, als sie in Einkommensbefragungen angeben. 8
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